Festkogel – Unschwieriger Modeberg

Die heutige Tourenschilderung möchte ich mit 2 verschiedenen Erzählsträngen einleiten:

Die Vorkommnisse ereigneten sich am 21. Februar 2015. Mag sein, dass das der einzige Tag des Jahres mit solch einem „erhöhten Verkehrsaufkommen“ war, schließlich waren die Verhältnisse ziemlich optimal für diese anspruchsvolle Schitour. Möglicherweise haben auch die in den Tagen zuvor veröffentlichte Berichte verschiedener Schitourgengeher im Tourenforum auf Lawine Steiermark ausnahmsweise soviele Gipfelaspiranten angelockt.

Schließlich war dort von „ausgezeichneten Tourenbedingungen im Johnsbachtal und guter Schneelage vom Parkplatz weg“ oder „Butterfirn feinster Qualität bis in den Talgrund!“ die Rede bzw. Schreibe.

Eigentlich hätte ich ja gewarnt sein sollen, schließlich war es nicht das erste Mal, dass ich an einem Wochenende in Johnsbach auf wahre „Horden“ von Schitourengehern gestoßen bin, weshalb ich mir nun endgültig geschworen habe, dass Samstag und Sonntag im Winter für mich nun im Gesäuse tabu sind.

Am Schlußhang zum Gipfelkreuz am Festkogel

Am Schlußhang zum Gipfelkreuz am Festkogel

Nun aber zu meiner Geschichte:

Einleitungsvariante 1:

Unschwieriger Modeberg?

Unschwieriger Modeberg?

Der Festkogel in den Ennstaler Alpen am Verbindungsgrat, zwischen dem anspruchsvollen Sommerberg Großer Ödstein und dem auch nicht ganz einfachen aber auch im Winter begangenen Hochtor gelegen, ist ein einfach erreichbarer, unschwieriger, lawinensicherer, landschaftlich imposanter und deshalb völlig überlaufener Schitourenberg. Von den Anforderungen her also gerade recht, um den mit einer Grippeinfektion kämpfenden geschwächten Köper nicht zu überlasten …

Einleitungsvariante 2:

Rassige Steilabfahrten

Rassige Steilabfahrten

Mehr als 11 Schitourenjahre mit fast 300 Skitouren mussten ins Land ziehen, ehe ich mir zutraute, dem als sehr schwierig bzw. rassig beschriebenen und auch lawinentechnisch nicht zu unterschätzenden Festkogel mit seinen Steilabfahrten einen Besuch abzustatten. Zu groß war bisher mein Respekt vor den schitechnischen Anforderungen, zu instabil oftmals die Lawinenlage. Dafür hat dieser Gipfel den Ruf, eher ein einsamer zu sein …

Wo liegt die Wahrheit:

Nun, wo liegt nun die Wahrheit, sprichwörtlich meist irgendwo dazwischen, in diesem Fall tendiere ich aber trotz meiner Erfahrungen von diesem Samstag am Beginn der letzten Dekade des Februar 2015 eher zur Variante 2. Ich würde sogar so weit gehen, den Festkogel als einen der schwierigsten Schitourenberge zu bezeichnen, die ich bislang besucht habe. Das mag aber auch daran liegen, dass ich nun schon einige Tage gesundheitlich nicht vollfit war und mich dementsprechend plagen musste.

Bereits die Ankunft in Johnsbach beim Kölblwirt hätte Warnung genug sein müssen. Warum in aller Welt parken hier so enorm viele Fahrzeuge. Aber egal – Johnsbach bietet reichliche Schitourenziele, auf denen sich die Schitourengeher in alle Windrichtungen verstreuen können: Beispielsweise Leobner, Blaseneck oder Gscheideggkogel um nur einige wenige zu nennen. Vielleicht gibt es auch wieder eine Hundeschlitten-Veranstaltung.

Zeitgleich mit mir, kurz vor mir und knapp hinter mir brachen ebenfalls Schitourengeher in Richtung Untere Koderalm auf. Naja, vielleicht sind die auch unterwegs zur Gsuchmauer. Festkogel kann ja gar nicht sein, so meine irrige Meinung. Bei den meisten bisherigen Tourenberichten, die ich studiert habe, war jedes Mal noch von ziemlich einsamen Schitouren auf den Festkogel die Rede.

Anfangs führt die Route über flache Wiesenhänge, die heute noch überwiegend ausreichend Schnee boten. Lediglich auf den gegen die Sonne geneigten Hängen vor dem Waldstück gab es schon einige apere Unterbrechungsstellen. Der schmale Hohlweg im Wald war bei der Abfahrt von den vielen Tourengehern schon glatt gebügelt und musste umsichtig befahren werden.

Unterer Koderboden

Unterer Koderboden

Beim Unteren Koderboden teilen sich die Schispuren. Überraschenderweise ging der Großteil nordwärts Richtung Festkogel. Und spätestens vor einer felsigen Steilstufe, die über eine Rampe erstiegen werden konnte (alternativ auch durch ein kurzes Waldstück – auf dieser Route bin ich später abgefahren) wurde mir das wahre Ausmaß der heutigen „Völkerwanderung“ bewußt.

Die kurze Schlüsselstelle sollte für so manchen Gelegenheitswanderer bereits das erste ernstere Hindernis darstellen. Immer wieder rutschten über die harte Schneedecke Tourengeher herunter, manches Mal fast einen Kameraden mitreissend. Eine junge Dame begann mit ihrem Partner eine lautstarke Diskussion, weil sie nicht wußte, wie die Harscheisen anzulegen sind.

Nach der Steilstufe ging es wieder gemächlicher in hügeligen Terassen weiter, und so weit der Blick reichte, war eine lange „Ameisenkolonne“ überblickbar. Das erinnerte mich stark an Bilder von den Massenbesteigungen am Mount Everest.

Ostseitig vorbei an einem markanten Felsturm, rechter Hand zweigten einige Hochtor-Geher ab, begann das Gelände nun zunehmend aufzusteilen. Und wieder das gleiche Bild mit abrutschenden Tourengehern, die langsam an ihre Leistungsgrenzen kamen, im Gruppendruck aber weiter am geplanten Aufstieg festhielten. Da und dort musste der Rucksack von einem Kameraden mitgetragen werden.

Trotz der schönen Landschaft konnte ich einfach nicht zu einem meditativen Gehrythmus finden, es war ein ständiges Übholt-werden (meist) und Überholen (nur selten) und immer wieder der Blick nach oben, wenn sich wieder einmal ein Tourengeher auf der harten Schneedecke nicht mehr halten konnte.

Mit Harscheisen ging es zwar recht gut, bei den Spitzkehren war dennoch Konzentration angesagt. Endlich oben auf einer kurzen flacheren Passage, verschnaufen und trinken. Der weitere Verlauf zum Grat schaut anfangs gar nicht allzu steil aus – das täuscht dann aber doch ordentlich. Steil ist dieser Hang – sehr steil, einige Abfahrer kommen schon von oben herunter und lösen immer wieder kleinere harte Schneebrocken, ideale Schnee-Verhältnisse scheint es nicht zu geben.

Immer steiler wird der Hang am Weg zu Grat - Blick zum Hochtor

Immer steiler wird der Hang am Weg zu Grat – Blick zum Hochtor

Vom Gipfelkreuz rattern einige Abfahrer bedenklich zittrig zum Grat herüber, haben teilweise ihre Schi kaum unter Kontrolle und drohen immer wieder Aufsteiger mitzureissen.

Vielleicht war es die seit Tage steckende Erkältung, vielleicht war es der Trubel, aber das will ich mir nicht mehr antun. Zu groß wurde auf den letzten steilen Metern zum Grat mein Respekt bzw. meine Unsicherheit. Und so wie etwa 10 andere Tourengeher erkläre auch ich deshalb den Grat zu meinem Tourenziel und spare mir meine verbleibenden Kräfte für die rassige Abfahrt auf. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass der Ausblick selbst von hier aus grandios ist.

Fazit:

Einfach ist der Festkogel für einen durchschnittlichen Schitourengeher ganz und gar nicht. Lanschaftlich großartig aber auf jeden Fall. Ich nehme mir fest vor, dem Gipfelkreuz einmal einen Besuch abzustatten. Aber tunlichst nicht an einem Wochenende. Und vielleicht auch besser etwas später im Frühjahr, denn wenn einmal der untere Abschnitt zur Koderalm ausgeapert ist, verlieren wohl viele Bergkameraden ihr Interesse.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Die Festkogel-Skitour auf der Landkarte

Tourengebiet Johnsbach

Tourengebiet Johnsbach

Skitourenverlauf auf den Festkogel

Skitourenverlauf auf den Festkogel

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Weitere Impressionen vom Festkogel

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