Dachstein-Überquerung: Nationalskitour und Rumpler

Bei meinem heutigen Tourenbericht (15.02.2015) habe ich es bzw. mache ich es mir recht einfach. Denn die österreichische National-Skitour vom Hunerkogel über die Simonyhütte und Gjaidalm nach Obertraun wird alljährlich wohl von Tausenden Schifahrern frequentiert. Und entsprechend viele Schilderungen, Fotos und Videos finden sich auch im Internet.

Es sei denn, in einem Winter wie beispielsweise 2013/2014 ist wegen Schneemangel bzw. weil der Wind die Schneeflocken noch vertrieben hat, bevor sie den Boden berühren konnten, die Abfahrt auf präparierter Piste nicht möglich.

Passionierte Schitourengeher lassen sich davon zwar nicht abhalten, aber der Großteil der Besucher bewältigt die mehr als 20 Kilometer lange Abfahrt von 2.740 Meter Seehöhe auf unter 600 Meter auf Alpin-Skiern und erwartet dementsprechend unkomplizierte Pistenverhältnisse.

Unterwegs auf der präparierten Piste im Umfeld des Schöberls bzw. der Simonyhütte. Im Hintergrund die schroffen Felwände von Niederem und Hohem Kreuz.

Unterwegs auf der präparierten Piste im Umfeld des Schöberls bzw. der Simonyhütte. Im Hintergrund die schroffen Felwände von Niederem und Hohem Kreuz.

Übrigens, laut offiziellen Angaben hat die Abfahrt sogar eine Länge von 25 Kilometern. Allerdings war keines meiner 3 GPS-Geräte jemals mit dieser marketingtechnisch gerundeten Distanz einverstanden. Aber wenn es nach den Touristikern geht, wird ja auch der Hohe Dachstein schnell zum Dreitausender. Egal, ich möchte es nur erwähnt haben, damit ihr nach vollendeter Abfahrt nicht enttäuscht euer GPS-Gerät wegen einer vermeintlichen Minderanzeige in den Müll schmeißt 🙂 .

Also Auffahrt mit der ersten Gondel von der über Ramsau am Dachstein auf der Mautstraße (für Seilbahn-Benutzer kostenlos) erreichbaren Talstation hinauf auf den Hunerkogel. Und auch heute ist es sich wieder ausgegangen, dass am oberen Ende die gut gefüllte Seibahn (wir haben die erste am Morgen erwischt) nicht gegen den Fels geknallt ist 🙂 .

Bei der Hunerkogel-Bergstation auf 2.680 Meter Höhe nimmt unsere Schitour ihren Anfang (den höchsten Tourenpunkt sollte wir bei der Dachsteinwartehütte auf 2.741 Meter erreichen). Nachdem der andere „Rudel“ – zumindest der Großteil dürfte zusammen gehören, zumindest haben sie sich am Sky Walk auf einem Gemeinschaftsfoto ablichten lassen – die Bergstation verlassen hat, kehrt angenehme Ruhe ein.

Dachstein-Gipfelstürmer am Weg zur Randkluft und in der Felspassage.

Dachstein-Gipfelstürmer am Weg zur Randkluft und in der Felspassage.

Natürlich machen auch wir die üblichen Pflichtfotos mit den Strandkörben. Und noch eins bei einem grünen Drachen. Vermulich KALI, der Ramsaurier?

Als die nächste Gondel schon wieder eine neue Ladung Schifahrer bringt, entfleuchen wir der Bergstation Richtung Nordwesten und folgen der präparierten Route zunächst ein kurzes Stück abwärts. Doch schon bald – nördlich der Dachstein-Dirndln – ist es vorbei mit Fahren/Rutschen. Jetzt heißt es die Schi schultern und sie ca. 100 Höhenmeter auf mäßig steigender Piste zu tragen. Macht man doch gerne. Schließlich müssen sie dann uns 25 Kilometer talwärts tragen.

Warum kaum einer der anderen Bergfreunde die wenigen Meter hinüber zur idyllisch eingeschneiten und aussichtsreichen Dachsteinwartehütte absolviert, ist mir jedes Mal wieder ein Rätsel. Bei den Dachstein-Besteigern kann ich es ja noch verstehen, aber die reinen Tal-Abfahrer lassen sich wirklich tolle Ausblicke über das Ramsauplateau und das Ennstal in die Niederen und Hohen Tauern entgehen. Und auch der Blick auf die markant gefurchte Dachstein-Südwand hat ihren besonderen Reiz.

Aber wollte ich den heutigen Bericht nicht kurz halten? Angesichts dieser imposanten, eindrucksvollen Landschaftsimpressionen gelingt mir das nicht so leicht und ich komme immer wieder ins Schwärmen 😉 .

Nach kurzer Abfahrt zu den Dachstein-Dirndln folgt eine Tragepassage (Klick zur Vergrößerung)

Nach kurzer Abfahrt zu den Dachstein-Dirndln folgt eine Tragepassage (Klick zur Vergrößerung)

Ausblick von der Dachsteinwartehütte in die Niederen und Hohen Tauern (Klick zur Vergrößerung)

Ausblick von der Dachsteinwartehütte in die Niederen und Hohen Tauern (Klick zur Vergrößerung)

Als wir uns zur Abfahrt bereit machen, kommen uns von unten schon die ersten Aufsteiger entgegen.

So – jetzt halte ich mich aber wirklich kurz: Die Simonyhütte lassen wir aus. Von einem Besuch zum nächsten schaffe ich es immer wieder, die zwar kurzen, aber teilweise doch kraftfordernden Gegensteigungen auszublenden und zu verdrängen. Heute gibt es aber perfekte Schneeverhältnisse und mit vorausschauend „Schwung mitnehmen“ halten sich die „Brettel-Anforderungen“ in Grenzen.

Rast zwischen Simonyhütte und Gjaidalm

Rast zwischen Simonyhütte und Gjaidalm

Am Pistenrand auf den glatten Felsen die obligatorischen „Schifahrer-Häufchen bei der Zwischenrast“ – die sich heute allerdings noch in Grenzen halten. Später im Frühjahr und bei noch wärmeren Verhältnissen (obwohl es heute wirklich optimal war) gibt es auf den Plateaus ja wahre Massenansammlungen.

Bei der Gjaidalm legen wir die Felle an und zweigen nach rechts – südwärts – ab. Vorbei an der ehemaligen Kaserne Oberfeld, wo ein Schneeschuhwanderer gerade den Trail zum Heilbronner Kreuz sucht, und mäßig steil aufwärts zum Gipfelkreuz am Niederen Rumpler.

Nach „Bananenstärkung“ folgt die Abfahrt. Zunächst entlang der Anstiegsroute zur Kaserne Oberfeld und hinab zur Krippenstein-Schipiste und auf dieser anfangs noch recht flach bis Krippenbrunn. Schließlich wird es steil(er), heute gibt es aber ausgezeichnete Pistenverhältnisse. Trotzdem spürt man allmählich die lange Distanz und die vielen Höhenmeter, die wir schon in den Beinen haben.

Zum Schluß noch einmal eine Herausforderung – oder wie es heutzutage heißt: Challenge.

Wo habe ich gestern mein Auto abgestellt?

Fazit:

Einsam ist die österreichische Nationalskitour nicht. Wenn man aber einmal die Seilbahn-Bergstation am Hunerkogel hinter sich gelassen hat, verstreuen sich die Bergfreunde in alle Himmelsrichtungen (Edelgrieß-Abfahrer bzw. Scheichenspitz-Besteiger, Gröbming-Abfahrer, Rumpler-Abfahrer, Dachstein-Gipfelstürmer, Steinerscharte-Überschreiter). Und das weitläufige Gelände bietet genug Ausweichmöglichkeiten, um sich nicht gegenseitig auf die Zehen zu steigen.

Am Ende des Tages kann ich ohne Übertreibung sagen, dass zusammen mit der gestrigen Überschreitung vom Krippenstein über den Hirzberg nach Gröbming die Schitouren-Saisonhöhepunkte heuer wohl bereits Mitte Februar stattgefunden haben.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Blick vom Niederen Rumpler Richtung Westen über einen Teil unserer Abfahrtsroute. Links der Taubenkogel. (Klick zur Vergrößerung)

Blick vom Niederen Rumpler Richtung Westen über einen Teil unserer Abfahrtsroute. Links der Taubenkogel. (Klick zur Vergrößerung)

Österreichs Nationalskitour auf der Landkarte

Das Tourengebiet zwischen dem Hohen Dachstein und dem Hallstätter See. Rot = unsere heutige Schitour. Blau die gestrige Route vom Krippenstein nach Gröbming.

Das Tourengebiet zwischen dem Hohen Dachstein und dem Hallstätter See. Rot = unsere heutige Schitour. Blau die gestrige Route vom Krippenstein nach Gröbming.

Am Beginn der österreichichen Nationalskitour lassen wir uns den kurzen Abstecher zur aussichtsreichen Dachsteinwartehütte nicht entgehen.

Am Beginn der österreichichen Nationalskitour lassen wir uns den kurzen Abstecher zur aussichtsreichen Dachsteinwartehütte nicht entgehen.

Die Abfahrt auf der präparierten Route/Piste ist auch mit Alpin-Skiern machbar. Für den Aufstieg auf der Rumplertour sind allerdings Tourenschi vonnöten.

Die Abfahrt auf der präparierten Route/Piste ist auch mit Alpin-Skiern machbar. Für den Aufstieg auf der Rumplertour sind allerdings Tourenschi vonnöten.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Frühere Skitouren zwischen Hunerkogel und Krippenstein

Weitere Impressionen von der Dachstein-Überquerung

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