Vom Hallstätter See nach Gröbming

Gleich vorweg die Richtigstellung: Korrekterweise müsste der Titel dieses Beitrages lauten: „Vom Krippenstein über den Hirzberg in die Lend nach Gröbming-Winkl„. Am Hallstätter See sind wir nur kurz in einigen Hundert Metern Entfernung vorbeigefahren, um anschließend von Obertraun mit der Seilbahn auf den Krippenstein hinaufzugondeln. Aber so klingt der Artikel gleich viel abenteuerlicher 😉 . Nun aber mit aller gebotenen Ernsthaftigkeit der Reihe nach:

Am frühen Morgen des 14. Februar anno 2015 machten sich der AlpenYeti und sein an Lebensjahren mittlerweile auch nicht mehr ganz – dafür aber an Schitourenjahren ziemlich – junger Nachwuchs  (habe ich da nicht neulich das erste graue Haar entdeckt 🙂 )  auf den Weg, um über Bad Aussee und den berüchtigten Koppenpaß, der mir schon zu Mountainbikezeiten so manchen Lebensnerv gezogen hat, nach Oberösterreich in die Gemeinde Obertraun am Hallstätter See zu pilgern.

Vorbei am erst jüngst besuchten Ausseer Zinken und an einigen Rehen, die sich in den Kopf gesetzt hatten, knapp vor unserem Auto die Straße zu kreuzen, trafen wir wenige Minuten vor 08:30 Uhr bei der Talstation der Krippenstein-Seilbahn ein. Am Wochenende würde die erste Gondel zwar jetzt auch schon um 07:30 Uhr starten, dafür war uns aber das warme Bettchen zu wertvoll. Aber auch für die „Halb-Neun“-Gondel kamen wir etwas zu spät.

Zwar noch rechtzeitig vor deren Start, allerdings wartete vor uns schon mehr als eine gondelfüllende Horde schihungriger Tourengeher und Pistenfahrer. 19 Euro kostet das Rumpler-Ticket, welches neben den 2 Krippenstein-Abschnitten auch zur Lift-Auffahrt am Schladminger Gletscher zum Hunerkogel berechtigen würde.

Wir aber hatten andere Pläne und enthielten uns deshalb dieser Option. Der eigentliche Zweck der heutigen Übung war aber überhaupt ein ganz anderer: In erster Linie ging es uns darum, ein Fahrzeug in Obertraun zu platzieren, um am folgenden, hoffentlich der prächtigen Wetterprognose gehorchenden Sonntag auf der österreichischen National-Skitour vom Hunerkogel nach Obertraun abzufahren, und danach nicht auf den doch etwas langatmigen Rücktransfer per Shuttle-Service angewiesen zu sein.

Minus 12 °C hatte es unten im Tal auf 600 Meter Seehöhe. Nachdem uns die Krippenstein-Seilbahn auf ca. 2.070 Meter ausgespuckt und in die Sonne entlassen hat, durften wir uns über herrlich milde Temperaturen knapp um den Gefrierpunkt und Windstille erfreuen.

Während fast alle anderen Gondel-Insassen auf der Schipiste Richtung Süden bzw. Südwesten entfleuchten, nahmen wir unsere einsame aber doch von wenigen Spuren gezeichnete Route Richtung Osten in Angriff. Anfangs mischten sich auch noch Schneeschuhspuren dazu, mit zunehmender Entfernung vom Krippenstein nahmen diese aber ab und spätestens beim Heilbronner Kreuz (Details am Artikel-Ende) führten nur mehr ganz wenige Schitourenspuren ostwärts.

Einige zum Speikberg, ganz wenige Richtung Hirzberg, unser noch weit in der Ferne liegendes Gipfelziel. Anfangs hatten wir noch versucht, die Gegensteigungen ohne Felle zu bewältigen, aber spätestens nach der letzten Kurzabfahrt nach dem Heilbronner Kreuz legten wir diese Hilfsmittel dann doch an – zu mühsam war das ständige Abrutschen nach dem Muster 2 Schritte vor und einer zurück.

Stille liegt „Am Stein„, wie dieser Abschnitt des Dachsteinplateaus zwischen Heilbronner Kreuz, Speikberg und Napfenkogel (mit dem Bärenloch) genannt wird. Und so möchte auch ich bei der Schilderung der meditativen Erlebnisse nicht allzu viele Worte verlieren, sondern lieber ein Bild für sich sprechen lassen.

Am Stein: Blick über die Weiten des Dachsteinplateaus

Am Stein: Blick über die Weiten des Dachsteinplateaus

Ein Erlebnis verdient aber doch eine kurze Erwähnung. Im Umfeld des Napfenkogels hatten wir die einzige Menschen-Begegnung des heutigen Tages außerhalb des Schigebietes am Krippenstein. Justament war es jener emsige Schitourengeher, den Ingrid und ich bei unserer Hirzberg-Skitour vor 10 Tagen getroffen haben, und der derzeit so gut wie jeden schönen Tag hier in der Einsamkeit des Dachsteingebirges zwischen Hirzberg und Krippenstein unterwegs ist, nachdem er zuvor um den Jahreswechsel dem Ausseer Zinken fast täglich einen Besuch abgestattet hat.

Kurze Abfahrt östlich vom Napfenkogel

Kurze Abfahrt östlich vom Napfenkogel

Für kurze „Zwischen-Abfahrten“ ersparen wir uns das Abnehmen der Felle, und schließlich geht es den letzten Anstieg des heutigen Tages hinauf zum Gipfelkreuz am Hirzberg. Anders als vor 10 Tagen ist heute der Gipfelbereich komplett abgeblasen und aper.

Apere Verhältnisse am Hirzberg

Apere Verhältnisse am Hirzberg

Wie so oft (eigentlich fast immer) erwartet uns Wind am Hirzberg-Gipfelkreuz. Das kann das heutige landschaftlich großartige Wandererlebnis aber nicht schmälern. Und jetzt wartet vor uns auch noch die lange Abfahrt hinunter nach Gröbming-Winkl.

Ganz staubig war der Pulverschnee zwar nicht mehr, aber im Großen und Ganzen durften wir uns über brauchbare bis gute Schneeverhältnisse erfreuen. Lediglich der letzte, dichter bewachsene Waldabschnitt vor der Brandalm war schon ziemlich abgefahren.

Durch die Öfen haben wir die Schi heute besser getragen, nachdem mir das bei der letzten Abfahrt zu lästig war und ich mir einige „bleibende Eindrücke“ in den Schiern eingehandelt hatte.

Fazit der Tour: Nach einer einsamen Hochplateauüberschreitung mit unbeschreiblichen Landschaftsimpressionen vom Krippenstein bis zum Hirzberg folgt die lange Abfahrt über recht flache eingeschneite Latschenflächen, danach durch anfangs schütteren und zuletzt etwas dichteren und steileren Wald zur Brandalm und am Ende die lange Forststraßenabfahrt (teilweise Schiebestrecken) hinunter in die Lend.

Einziger Nachteil: Bei unserer Vorgehensweise bleibt ein Auto in Obertraun. Aber genau das war auch unsere Absicht für den folgenden Tag (Bericht folgt).

Panoramablick vom Hirzberg zu Dachstein und Krippenstein (Klick zur Vergrößerung)

Panoramablick vom Hirzberg zu Dachstein und Krippenstein (Klick zur Vergrößerung)

Wer sich für die näheren historischen Hintergründe des „Heilbronner Kreuzes“ interessiert, dem kann ich nur Peter Grubers Buch „Tod am Stein“ wärmstens empfehlen (Unverbindlicher Amazon Link):

Die Skitour auf der Landkarte

Das Tourengebiet zwischen Krippenstein, Hirzberg und Gröbming

Das Tourengebiet zwischen Krippenstein, Hirzberg und Gröbming

Der Routenverlauf vom Krippenstein zum Hirzberg (dicke rote Linie). Daneben (dünner) frühere Wandertouren in diesem einsamen Gebiet des Dachsteingebirges. (Klick zur Vergrößerung)

Der Routenverlauf vom Krippenstein zum Hirzberg (dicke rote Linie). Daneben (dünner) frühere Wandertouren in diesem einsamen Gebiet des Dachsteingebirges. (Klick zur Vergrößerung)

Der Routenverlauf vom Hirzberg nach Gröbming-Winkl / Lend.

Der Routenverlauf vom Hirzberg nach Gröbming-Winkl / Lend.

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Frühere Wandertouren zwischen Krippenstein und Hirzberg

Landschaftsimpressionen zwischen Krippenstein und Hirzberg

 

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