Garmin Fenix 2 – Daten-Auswertungen und Genauigkeit

Nach meinem ersten Eindruck möchte ich heute über die geplanten Einsatzbereiche meiner neuen GPS-Armbanduhr – der Garmin Fenix 2 – berichten und auch darauf eingehen, warum ich mir neben einer ohnehin vorhandenen Höhenmesser-Sport-Uhr (Suunto X6) und meinem GPS-Handheld-Gerät Oregon 450t jetzt zusätzlich auch noch eine GPS-Uhr wünschte.

Viel hatte ich zuvor bereits in einschlägigen GPS-Foren und den Käufer-Bewertungen bei Amazon über diese Uhr gelesen, als ich eine Entscheidung zwischen ihr und der Suunto Ambit 2 (mittlerweile gibt es a schon eine Version 3) treffen wollte.

Das Christkind (nach Beratung mit einem sehr erfahrenen Bergsportler 🙂 ) nahm mir diese Entscheidung ab, und ich bin sehr froh darüber.

Denn auf Grund der von absolut unbrauchbar bis zur eierlegenden Wollmilchsau reichenden Beurteilungen ist es kaum möglich, eine rationale Entscheidung zu treffen. Und von der Optik her war ich ohnehin von der Garmin sehr/mehr angetan.

Der anfängliche Schock über die Komplexität des Menüsystem ist nun nach drei Ausseneinsätzen auch verfleucht. Ich habe mir alle für mich interessanten Informationsfelder auf einer eigenen benutzerdefinierten Aktivität zusammengefasst und sortiert.

Die Auswertungsmöglichkeiten sind ja wirklich immens, und wohl auch für trainierende Sportler eine Fundgrube (ist aber nur eine Vermutung, denn im Detail finden sich bei jeder Sportart übereifrige Kritiker) und Dutzende dieser Funktionalitäten werde ich wohl nie nutzen. Zum Beispiel hat mich der Informationsbedarf beim Schwimmen in Erstaunen versetzt oder auch auf was man beim Laufen alles achten sollte (kein Wunder, dass ich richtiges Laufen nie erlernt habe 🙂 ). Aus meiner Zeit als Mountainbiker war ich zumindest noch teilweise mit diversen Radfahr-Auswertungen vertraut.

Informationsbedarf und Verwendungszweck beim Wandern

Grundsätzlich möchte ich bei meiner Nutzung einmal unterscheiden zwischen Daten-Auswertungen und aktiver Navigation/Orientierung. In diesem Beitrag geht es um den ersten Bereich – die Daten-Auswertungen und Touren-Statistiken.

Im letzten Jahrzehnt hat sich bei mir eine Reihe von Statistik-Daten herauskristallisiert, die mich bei jeder Wandertour (Bergwandern, Schneeschuhgehen, Skitouren) interessieren und diese Werte erfasse ich auch in meiner seit dem 01.01.2004 geführten Touren-Datenbank (mit Stand 02.01.2015 ware es 1.019 Touren), andere Informationen schaute bzw. schaue ich mir nur im Einzelfall an, dann aber ist es ganz nett, auf sie zurückgreifen zu können.

Statistik-Daten, die mich auf jeder Tour interessieren

Statistik-Daten, die mich auf jeder Tour interessieren

Folgende elektronisch messbare Daten notiere ich seit mehr als 10 Jahren für jede Tour:

  1. Dauer der Tour in Stunden (inkl. Pausen)
  2. Zurückgelegte Distanz in Kilometer
  3. Höhenmeter im Aufstieg
  4. Höchster Punkt der Tour
  5. Niedrigster Punkt der Tour
  6. Neben diesen Statistik-Daten interessiert mich der genaue Weg-Verlauf (im GPS-Jargon: Track), den ich mir auf eine digitale Landkarte am PC überspiele – besonders spannend wenn ich abseits markierter Wege unterwegs bin (was vor allem im Winter häufig der Fall ist).
  7. Abstiegs-Höhenmeter (bei unterschiedlichen Ausgangs- und Zielpunkten)
  8. Start-Höhe (wenn sie von der niedrigsten Höhe abweicht)
  9. Und natürlich ist unterwegs auch immer die aktuelle Uhrzeit interessant.
"Uhrenvergleich" und "GPS-Vergleich": Suunto X6 - Garmin Fenix 2 - Garmin Oregon 450t

„Uhrenvergleich“ und „GPS-Vergleich“: Suunto X6 – Garmin Fenix 2 – Garmin Oregon 450t

So sehr ich nun die Leichtigkeit und Unkompliziertheit meiner Suunto-X6-Armbanduhr schätze, bei der Kilometer-Distanz und dem Track kann sie mich aber leider nicht unterstützen, diese Funktionaltitäten bietet nur mein größeres GPS-Gerät Oregon 450t. Und auf längeren Touren und in unbekannten Gebirgsregionen werde ich das Oregon auch immer mitnehmen. Schon alleine wegen der übersichtlichen Landkartendarstellung und den guten Navigationsmöglichkeiten.

Auf bekannten und bereits vielfach besuchten bzw. einfachen Wanderungen, bei unseren jährlichen Tierpark-Besuchen, bei Fototouren sowie beim Stadt- und Strandbummel möchte ich aber künftig gerne „leichter“ unterwegs sein, ohne auf diese für mich interessanten Informationen verzichten zu müssen.

Und genau hier wird vorrangig die Garmin Fenix 2 zum Einsatz kommen.

Genauigkeit

Wie bereits eingangs erwähnt, bietet die Fenix 2 eine fast „erschlagende“ Fülle an Funktionen. Derzeit bin ich noch am Feinschliff bei der Zusammenstellung meiner Datenseiten, manche Informationen sind nette Gimmicks (z.B. Temperatur – Aktuell, Maximal, Minimal; Geschwindigkeit – Aktuell, Maximal, Durchschnitt; Sonnenaufgang & Sonnenuntergang; Aufsplittung der Aktivitätszeit in Bewegung und im Stillstand, daneben noch Gesamtzeit und verstrichene Zeit), den Pulsgurt nutze ich derzeit gar nicht, möchte mich aber später schon damit beschäftigen.

Bei den oben genannten Statistik-Daten lege ich aber doch Wert auf aussagekräftige Genauigkeit und Vergleichbarkeit mit anderen Geräten bzw. früheren Touren (Relativierung folgt im abschließenden Fazit).

Ich möchte die Genauigkeit für folgende Kategorien untersuchen, aber zuvor noch einmal betonen, dass es mir in erster Linie um das Wandern geht (Bergwandern, Bergsteigen, Schneeschuhwandern und Skitouren).

Um meine Beurteilung besser einordnen zu können, möchte ich vorausschicken, dass ich in den letzten 11 Jahren auf ca. 1.000 Wandertouren ingesamt 2 Höhenmesser-Uhren (beide von Suunto) und 3 GPS-Handheld-Geräte (alle von Garmin) im Einsatz hatte, mit denen ich Vergleiche anstellen kann.

Weiters möchte ich betonen, dass mein aktuelles GPS-Gerät – das Garmin Oregon 450t – zumindest was die angezeigte GPS-Genauigkeit betrifft (3 bis 5 Meter), nach mehreren Firmware-Updates das exakteste ist, welches ich bisher hatte, auch wenn ich anfangs etwas „enttäuscht“ war, weil die zurückgelegten Distanzen vor allem im Vergleich zu meinem Garmin eTrex Vista C plötzlich signifikant geringer waren (bei identer Routenführung).

Oder zeigte mir das Oregon 450t jetzt jahrelang zuwenig an, waren die Werte des eTrex Vista C korrekter, oder stimmte womöglich das Garmin GPSMAP 60CSx, dessen Werte irgendwo dazwischen lagen? Weisen am Ende die digitalen Landkarten Ungenauigkeiten auf (ich verwende bis zu 4 verschiedene Karten: AMap vom BEV, Kompass, Alpenvereinskarten, Topo Österreich) – denn lege ich ein und denselben Track auf unterschiedliche Karten werden mir markant unterschiedliche Statistik-Werte angezeigt.

Ich glaube, das alles erklärt schon etwas die Unzulänglichkeiten der diversen Mess-Systeme (zumindest wenn man nicht im militärischen Präzisionsbereich unterwegs ist). Warum sich also echauffieren, wo es doch zumindest im Freizeitbereich die absolute Mess-Genauigkeit gar nicht gibt / geben kann und wer braucht diese absolute Wahrheit wirklich und wofür 😉 ?

1.) Track-Genauigkeit

Ihr werdet im Internet Dutzende (wenn nicht wesentlich mehr) kritische Berichte über die Ungenauigkeit der Trackaufzeichnung der Fenix 2 finden. Vor allem Läufer, die in überschaubaren (Stadt-)Gebieten unterwegs sind und ihren Track auf eine Karte projizieren, scheint das zu irritieren.

Ja, auch ich hatte im Vergleich zu meinem Oregon 450t teilweise leichte Abweichungen (Siehe Karte). Und auch wenn man innerhalb von 3 Stunden auf exakt derselben Spur wieder zurück geht (enge Schneespur, die man kraftbedingt ungern verläßt 😉 ) konnte ich ganz geringe Abweichungen feststellen.

Aber seien wir ehrlich: Bei den von mir üblicherweise in den Bergen zurückgelegten Distanzen spielt das nicht wirklich eine Rolle.

Trackvergleich Oregon 450t (blau) - Fenix 2 (rot): Nur geringste Abweichungen

Trackvergleich Oregon 450t (blau) – Fenix 2 (rot): Nur geringste Abweichungen

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Erst bei einer unnatürlichen Vergrößerung der Ansicht, die ich so aber nie verwende, zeigen sich einige Unterschiede (Markierung 1), insbesondere auch beim Rückweg in der identen Spur nach drei Stunden (Markierung 2).

Leichte Abweichungen im Trackvergleich in der stark vergrößerten Ansicht

Leichte Abweichungen im Trackvergleich in der stark vergrößerten Ansicht

Meine Bewertung: Gut 🙂


2.) Absolute Höhe

Beim Wandern und Bergsteigen stellt die aktuelle Seehöhe eine interessante und wichtige Information dar. Wie hoch sind wir schon gegangen, wie viele Höhenmeter sind es noch zum Gipfel – viele erfahrene Wanderer kennen ihre ungefähre Aufstiegs-Höhenmeter-Leistung pro Stunde (mein Durchschnittswert im Sommer: ca. 400 Hm / Std.) und können so die noch verbleibende Zeit bis zum Ziel abschätzen.  Beim Blick auf die Papier-Landkarte wird auch an Hand der eingezeichneten Höhenlinien die Orientierung erleichtert.

Bei der absoluten Höhe gibt es nun aber 2 Kennzahlen, je nach Geräte-Möglichkeit oder persönlichen Vorlieben wird die eine oder andere verwendet:

2a) Barometrische Höhe

Meine bisherigen Armbanduhren konnten nur die barometrische Höhe bestimmen.

Dazu ist es wichtig, dass man die Uhr vor dem Start mit einer bekannten Höhe manuell kalibriert. Ich habe mich dazu erstmalig zu einem Bahnhof begeben, wo die exakte Seehöhe (ich glaube sogar mit Nachkommastellen?) verzeichnet war. Nach Kalibrierung meiner Uhr bin ich dann nach Hause und wußte so die baromtrische Höhe bei mir zuhause. Zusätzlich habe ich die Höhe auch noch auf den diversen digitalen Landkarten gegengecheckt.

Vor jeder Tour werden meine Geräte nun jedes Mal zu Hause „auf Stand gebracht“ (=kalibriert), und alleine da erkennt man schon die gigantische Schwankungsbreite der baromtrischen Höhe: Ich wohne auf 805 Meter Seehöhe, die Uhr zeigte je nach Wetterverhältnissen schon Extremwerte zwischen 550 und 980 Meter an. Zusätzlich kalibriere ich noch einmal – wenn bekannt – mit der Start-Höhe beim Ausgangspunkt einer Tour.

Bei meinen GPS-Geräten legte ich immer großen Wert darauf, dass sie neben der GPS-Höhe auch über einen barometrischen Höhenmesser verfügen. Nicht so sehr wegen der angeblich besseren Genauigkeit (gut, früher glaubte ich das schon noch), sondern vielmehr als Backup für seltene Situationen, in denen ich keinen GPS-Empfang habe.

Und so habe ich auch die Automatische Kalibrierung auf „Ein“ gestellt. D.h. heißt die GPS-Höhe und barometrische Höhe gleichen sich vermutlich ständig ab, meiner Erfahrung nach liegt die so ermittelte Höhe näher am korrekten Wert, welcher meist unter dem barometrischen Wert liegt. Allerdings scheint hier auch wesentlich mehr „Bewegung“ in der Höhenmeter-Anpassung im Spiel zu sein, was letztendlich zu unrealistisch hohen Höhenmeter-Kumulierungen führt, weshalb diese Messweise für die Kennzahl der Aufstiegs-Höhenmeter nicht so geeignet ist.

Also einerseits brauchte ich deshalb meine Höhenmesser-Armbanduhr für korrekte Aufsummierung der Aufstiegs-Höhenmeter (mehr dazu später), andererseits das GPS-Gerät für (halbwegs) korrekte Anzeige der Seehöhe.

Bei der Fenix habe ich die Automatische Kalibrierung auf „Aus“ gestellt. Die Messwerte sind ziemlich nah an jener der Suunto X6, also für mein Gefühl „normal wetterempfindlich“.

2b) GPS-Höhe

Der GPS-Höhe wird nachgesagt, ungenauer zu sein, als die barometrische Höhe. Ich denke mittlerweile anders darüber (Siehe nachfolgend unter „Meine Meinung“).

Die Fenix 2 bietet mir nun endlich ein tolles Feature, welches die Vorteile beider Systeme zu vereinen scheint: Für die Kumulierung der Aufstiegs-Höhenmeter verwende ich die baromtrische Höhe, welche beim Start manuell kalibriert wird, zusätzlich kann ich mir die aktuelle GPS-Höhe anzeigen lassen, wobei ich hier die Auto-Kalibrierung auf „Aus“ stelle (geht natürlich auch beim Oregon, nur habe ich dann noch immer keine korrekte Höhenmeter-Aufsummierung).

UND: Diese GPS-Höhe war bisher derart EXAKT, dass ich vollauf begeistert bin (auf mehreren in der Landkarte vermessenen exponierten Punkten entweder exakte Übereinstimmung bzw. eine Abweichung von maximal einem Meter).

Meine Bewertung:

Auch wenn Ihr in Foren gar nicht so selten lesen könnt, dass die GPS-Höhe „systembedingt“ ungenau ist (ohne das näher zu spezifizieren oder aber in aller akademischen Epik zu zerreden), habe ich in 11 Jahren auf 723 Touren mit GPS-Einsatz die Erfahrung gemacht, dass die GPS-Höhe genauer ist, als die stark wetterabhängige (und deshalb etwas „launische“) barometrische Höhe.

Mir gefällt die duale Anzeige von barometrischer Höhe und GPS-Höhe ausgesprochen gut (ich bin enthusiasmiert) und ich bin von der Genauigkeit der GPS-Höhe absolut begeistert 🙂 🙂 .

Diese duale Anzeige (beim Ausgangspunkt einer Tour liegen beide Werte i.d.R. gleichauf) liefert natürlich auch wichtige Hinweise auf nahende Wetterumstürze. Die nachfolgende Abbildung zeigt einen „Uhrenvergleich“ bei unserer Schneeschuhtour zur Liezener Hütte.

Die Fenix 2 (rechts) zeigt zusätzlich zur barometrischen Höhe (oben) auch noch die GPS-Höhe an (unten)

Die Fenix 2 (rechts) zeigt zusätzlich zur barometrischen Höhe (oben) auch noch die GPS-Höhe an (unten)

Die Suunto X6 (links) kann nur die barometrische Höhe. Die Garmin Fenix 2 (rechts) zeigt oben die baromtrische Höhe und unten die GPS-Höhe an. Sowohl zu Hause vor der Abfahrt als auch beim Ausgangspunkt der Schneeschuhtour am Wörschachberg wurden beide Uhren manuell kalibriert. Die barometrische höhe entsprach dabei der GPS-Höhe.

Exakte GPS-Höhe bei der Liezener Hütte

Exakte GPS-Höhe bei der Liezener Hütte

Nur 3 Stunden später und 700 Höhenmeter weiter gab es bereits eine signifikante Abweichung von mehr als 100 Höhenmeter!

1.866 (Fenix) bzw. 1.868 (Suunto) lauteten die barometrischen Höhen.

1.762 zeigte die Fenix 2 als GPS-Höhe an – ein Wert der exakt der verzeichneten Höhe in den Landkarten entspricht.

Übrigens: Etwas später zog ein Schneesturm auf, der wohl für diese große Differenz verantwortlich war.

 


3.) Kumulierte Höhenmeter

Anders als bei der absoluten Seehöhe (Siehe vorheriger Punkt) scheinen mir bei den aufsummierten Anstiegs-Höhenmetern die Kumulationswerte über die barometrische Höhenmessung korrekter (niedriger). Bei Auto-Kalibrierung „Ein“ ergaben sich am GPS-Gerät Oregon 450t immer um einiges zu hohe Werte (was natürlich so manchem Wanderer für seine Stammtisch-Erzählungen durchaus recht ist 😉  ).

Ich vermute, das liegt daran, dass die barometrische Höhe gerne „davonziehen“ würde, vom GPS wieder „herunter geholt“ wird und sich dieses Spielchen ständig wiederholt, was zu unnatürlichen Höhenmeter-Zugewinnen führt – selbst während der Rast-Pausen (ist aber nur eine nicht-wissenschaftliche Vermutung).

Einen Test mit Auto-Kalibrierung „Aus“ habe ich für das Oregon noch nicht, bei der Fenix kam ich hier aber bereits auf Werte, die von denen der Suunto X6 nicht viel abweichen (geringfügig höher, aber durchaus zufriedenstellend).

Meine Vorgangsweise bei der Messung

Wie bereits erwähnt wird der barometrische Höhenmesser auf jeden Fall mit der gut bekannten Höhe zu Hause manuell kalibriert und dann bei Bedarf – wenn bekannt – noch einmal mit der Höhe beim Ausgangspunkt einer Wandertour nachjustiert.

Empfehlungen, die barometrische Höhe bei jedem Wegpunkt mit bekannter Seehöhe (laut Landkarten oder Wegweisern) nachzustellen, bin ich bislang nicht gefolgt. Hier würde dann zwar auch die barometrische Höhe wieder den tatsächlichen Gegebenheiten entprechen, aber einerseits hätte ich dann zu viele „Sprünge“ im Profil (und vermutlich auch aufsummert?) und andererseits würde ich dann in der Uhr keinen großen Mehrwert mehr sehen.

Neben der (i.d.R. niedrigsten) Höhe beim Ausgangspunkt speichern die Uhren auch die maximale Höhe. Diese wiederum läßt sich fast immer gut über die Landkarte bestimmen (ein Gipfel, eine Hütte, eine Alm, ein Gewässer).

Aus dem niedrigsten Tourenpunkt und dem höchsten Tourenpunkt ermittle ich nun in Zusammenhang mit den von der Uhr ermittelten Aufstiegs-Höhenmetern die errechneten (realistischen) Höhenmeter:

Rechenbeispiel für die Schneeschuhtour zur Knerzenalm:

Beim Ausgangspunkt habe ich alle 3 Geräte manuell mit 841 Meter Seehöhe kalibriert (Suunto X6, Garmin Fenix 2, Garmin Oregon 450t)

Korrekt müsste aber laut AMap der niedrigste Punkt (NP) auf 846 Meter liegen, also muss ich von den aufsummierten Höhenmetern später 5 Meter abziehen. Gleichzeitig zeigt die AMap für den höchsten Punkt (HP) 1.201 Meter an (übrigens exakt der Wert, den die Fenix 2 bei der GPS-Höhe anzeigte).

Geländeprofil laut AMap

Geländeprofil laut AMap

Vom höchsten Punkt der Uhr (z.B. Suunto misst  1.221) muss ich jetzt wieder die Differenz zur tatsächlichen Höhe laut Landkarte (1.201) errechnen und diese von den kumulierten Uhr-Höhenmeter abziehen (bzw. wäre natürlich auch dazurechnen möglich, wenn der höchste Punkt laut Uhr unter jenem laut Landkarte liegt). Für das Beispiel muss ich also noch einmal 20 Meter abziehen (1.221 – 1.201).

Die Uhr hat 469 Höhenmeter gemessen – ich ziehe jetzt die 5 Meter zuviel vom Start und die 20 Meter zuviel vom Zielpunkt ab und erhalte die errechneten 444 Höhenmeter.

Das mag jetzt vermutlich auf den ersten Blick etwas verwirrend klingen – ist es aber nicht: Ich nehme einfach die von der Uhr ermittelten Aufstiegs-Höhenmeter und korrigiere entsprechend der Abweichungen beim niedrigsten und höchsten Punkt laut Landkarte.

Nachfolgend noch einmal 2 Rechenbeispiele, die das Ganze (hoffentlich) etwas verständlicher machen.

Mess-Beispiele der aufsummierten Anstiegs-Höhenmeter

Mess-Beispiele der aufsummierten Anstiegs-Höhenmeter

Meine Bewertung: Die Fenix zeigte im Vergleich zu meiner bisherigen Suunto X6 doch merkbare Abweichungen zwischen 2 und 8 Prozent. Die Differenz könnte auch daher kommen, dass ich die Suunto in der (relativ ruhig liegenden) Fototasche hatte, während die Fenix alle Armbewegungen mitmachte. Allerdings zeigte die Suunto bisher im Vergleich mit meinen Bergkameraden und zu meiner früheren Suunto ohnehin immer geringere (zu niedrige?) Werte. Im Vergleich zum Oregon ist die Fenix aber doch um einiges genauer. Ich bin zufrieden, werde das aber noch weiter im Auge behalten 🙂 .


4.) Distanz-Kilometer

Die zurückgelegten Kilometer sind bisher der einzige Wert, mit dem ich noch nicht ganz zufrieden bin, da er mir im Vergleich zum Oregon um einiges zu hoch erscheint. Aber ich kann mich erinnern, dass ich auch beim Oregon anfangs etwas enttäuscht war, da die Kilometerangaben im Vergleich zu Vorgänger-Geräten merkbar geringer ausfielen.

Mir scheint aber auch, dass die Aufsummierung der zurückgelegten Kilometer gerade im Bergland nicht so einfach ist, wie bei Stadt-Läufern im gleichmäßig flachen Gelände, wenngleich aber auch hier einige die zu langen Wegstrecken kritisieren. Andererseits habe ich aber auch schon von Sportlern (Läufer und Radfahrer) gelesen, die ihre Uhr zurückgegeben haben, weil sie ihnen im Vergleich zu ihren vorherigen Uhren zu wenig Kilometer gemessen hat.

Die geringste Entfernung stammt vom Track des Garmin Oregon 450t in der AMap

Die geringste Entfernung stammt vom Track des Garmin Oregon 450t in der AMap

Bezüglich der Entfernungsmessung ähnelt die Fenix 2 also eher meinem ehemaligen eTrex Vista C. Natürlich ist es schmeichelhaft, wenn die Wander-Distanzen jetzt wieder länger werden, aber hier möchte ich auf jeden Fall noch weitere Untersuchungen anstellen und bis dahin die Streckenlänge in meiner Touren-Datenbank manuell korrigieren, was ja an Hand der Track-Genauigkeit mit Hilfe meiner Landkarten ja recht einfach funktioniert.

Auch hier möchte ich wieder mit einem Beispiel aufwarten: Schneeschuhtour auf den Pötschenstein

  • Entfernung laut Anzeige am Garmin Oregon 450t: 11,27 km
  • Entfernung laut Garmin Connect bei der Garmin Fenix 2: 13,82 km
  • Entfernung laut AMap-Track von der Fenix 2: 10,765 km
  • Entfernung laut AMap-Track vom Oregon: 10,46 km
Die längste Distanz stammt von Garmin Connect aus der Fenix 2

Die längste Distanz stammt von Garmin Connect aus der Fenix 2

Zwischen dem geringsten Wert (10,46) und dem höchsten Wert (13,82) liegt hier doch eine beträchtliche Differenz. Schwer zu sagen, wo jetzt die Wahrheit liegt.

Angeblich haben die Uhren ja auch bestimmte Algorithmen, wie sie im steil ansteigenden Gelände die tatsächlichen Entfernungs-Kilometer ermitteln, nur sind diese Logiken nicht öffentlich und scheinen sich auch von Modell zu Modell zu unterscheiden.

Also vorerst gibt es bei dieser Disziplin (noch) kein lachendes Gesicht: :-/ bis 🙁 , aber ich werde versuchen, mich noch tiefer in die Thematik einzugraben.


Fazit über die Garmin Fenix 2

Im Wesentlichen vereinigt die Garmin Fenix 2 viele Vorteile beider Systeme (Armbanduhr und Handheld-Gerät), aber natürlich gibt es auch größenbedingt Abstriche im GPS-Bereich (keine vernünftige Karten – bzw. Track-Darstellung auf der Uhr). Die Uhr punktet mit der einfachen Tragbarkeit, hat allerdings den Nachteil, dass man unterwegs keine Akkus wechseln kann.

Die GPS-Uhr ist für den Outdoor-Einsatz durchaus praktikabel und nützlich, aber nicht das alleinige Allheilmittel für sämtliche Orientierungsanforderungen in der Wildnis (Papier-Landkarte sollte aber ohnehin immer mitgenommen werden).

Die Uhr ist vor allem ein leicht zu transportierender Track-Rekorder und ein toller Sportdaten-Computer, auch wenn in Fachforen für Läufer, Radfahrer und Schwimmer ob der scheinbaren Unzulänglichkeiten teils heftige Kritik geäußert wird.

Für meine Verwendungszwecke bin ich auch mit der Genauigkeit der Datenaufzeichnung durchaus zufrieden. Die Exaktheit der GPS-Höhe begeistert mich, bei den meines Erachtens zu großzügigen Kilometersummierungen muss ich allerdings noch genauere Tests vornehmen.

Und bei allen Perfektionsanforderungen sollte man nie vergessen: Einige Hundert Euro für eine Uhr ist zwar viel Geld, aber es handelt sich trotzdem nicht um ein militärisches Präzisionsgerät. Es geht lediglich um ein Freizeit-Instrument und um ein Hobby, welches zumindest ich nicht getrübt sehe, wenn die Genauigkeit einmal um 10 Meter daneben liegt. Man sollte die Augen ohnehin mehr auf die Schönheit der Natur richten und weniger auf das elektronische Spielzeug schielen 🙂 .

Und so soll dieser Artikel auch dazu dienen, das ganze Genauigkeitsgehabe etwas zu relativieren. Vielleicht liefert dieser Artikel auch eine Erklärung dafür, warum bei mehreren Bergkameraden, die gerade die gleiche Strecke zurückgelegt haben, die Höhenmeter- und Kilometer-Angaben erheblich voneinander abweichen können (abgesehen davon, dass jeder gerne einen Längeren – Weg – hätte und Touren mit jeder Erzählung und jedem Bier am Stammtisch noch weiter, höher und gefährlicher werden 😉 ).

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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