Elend(iger) Berg und Pfeifer

Was für ein Traumherbst nach diesem Sommer zum Vergessen.

Nach dem Großen Tragl und der Überschretung von Angerkogel und Nazogl gab es jetzt die 3. Traumtour in Folge.

Dieses Mal mit einem tollen Bergkameraden, dessen humorvolle Erzählungen dazu führten, dass ich am nächsten Tag nicht nur in den Beinen sondern auch im Bauch einen Muskelkater spürte.

Den Bergkameraden muss ich nicht näher vorstellen. Bereits zum 7. Mal gab es nun die längst zur Tradition gewordene Jahres-Foto-und-Bergtour mit Martin. Von Jahr zu Jahr wurden unsere Ausflüge auf kaum besuchte Gipfel im Rohrmooser Umfeld anspruchsvoller und herausfordernder und bei Martin auch fototechnisch professioneller.

Heuer – da ich mich zunehmend im spielerischen Umgang in der Videogestaltung übe – kam mit der filmischen Umsetzung unseres Hochgebirgsabenteuers eine neue, unterhaltsame Facette hinzu und Martin erwies sich auch als Darsteller als riesiges Nachwuchstalent 🙂 .

Das Tourengebiet

Bundesland: Steiermark
Tourenregion: Gollinghütte / Eschachalm
Wandergemeinde: Rohrmoos – Vom Untertal ins Obertal
Ausgangspunkt: Parkplatz Riesachfälle
Gebirgsgruppe: Schladminger Tauern
Routenverlauf auf den Pfeifer

Routenverlauf auf den Pfeifer

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304
Martin auf einem Schneefeld Richtung Pfeifer

Martin auf einem Schneefeld Richtung Pfeifer

Der Routenverlauf

Parkplatz Riesachfall – Gollinghütte – Kühkar – Elendberg-Nordscharte – Pfeifer – Kühkarscharte – Elendbergsee – Eschachalm

Die Tourbeschreibung

Nachdem wir noch in der Dunkelheit für die geplante Überschreitung des Elendbergs ein Auto ins Rohrmooser Obertal zur Eschachalm gebracht hatten, starten wir unsere Jahrestour im Rohrmooser Untertal beim großen, frühmorgens bei Tagesanbruch noch recht spärlich besetzten Parkplatz bei den Riesachfällen.

Nachdem uns selbst die erfahrensten Gebietskenner keine exakten Angaben über eine Sommerüberschreitung geben konnten, waren wir sehr gespannt, was uns im Gipfelbereich des Elendbergs erwarten würde. Der Elendberg – mit 2.672 Metern immerhin der 10-höchste Gipfel der Schladminger Tauern – gilt im Allgemeinen als Winterberg.

Auch ich habe mich vor Jahren im Anschluss an den Zwerfenberg schon einmal an ihm versucht, konnte dann aber die stark eingeschneite und sehr steile Gipfelrinne auf der Westseite lawinentechnisch nicht richtig einschätzen und habe deshalb den nördlich gelegenen Vorgipfel mit Gedenkkreuz vorgezogen.

Nachdem wir bei unseren bisherigen 6 Jahrestouren immer perfekte Wetterverhältnisse vorgefunden hatten, stehen wir zunehmend etwas unter Druck, denn wer möchte sich schon gerne verschlechtern, zumal wir bei unseren Fotoausflügen sehr auf gutes Licht angewiesen sind. So haben wir die Tour in diesem „Abschreibungs-Sommer“ bereits mehrfach verschoben. Aber auch an diesem 11. Oktober hatten wir vorerst kein gutes Gefühl.

Für den Vormittag war Föhn angesagt, der zwar das für den Tagesverlauf abgekündigte Schlechtwetter zunächst noch aufhalten sollte. Aber der im Ennstal milde Südwind kann in den Tauern heftig und kalt werden und Wolkenschwaden an den höheren Gipfeln stauen. Nun, beim ersten Tageslicht war davon aber nichts zu bemerken – und ich möchte es gleich vorwegnehmen: Wir sollten auch heute wieder mit weitgehend bestem Wanderwetter bis zu unserer Ankunft bei Einbruch der Dunkelheit belohnt werden.

Frühmorgens Richtung Gollingwinkel

Frühmorgens Richtung Gollingwinkel

Mit forschem Schritt schreiten wir auf der nur mäßig steigenden Almstrasse Richtung Gollinghütte südwärts, Die Gollinghütte befindet sich bereits im Winterschlaf, weiter hinten im Talkessel treffen wir auf ein Zelt mit 4 AbenteurerInnen, welche den herben Charme des Gollingwinkel im Angesicht der Hochgolling-Nordwand genießen.

Hier verlassen wir auch den markierten Wanderweg und folgen in etwa der Skiroute, welche über das weite Kühkar auf die Ostseite des Zwerfenberg führt. Im unteren Bereich des Kars – nach einem längeren Steilhang gelangen wir in das herrlich leuchtende Licht der wärmenden Morgensonne. Der Ausblick öffnet sich auf die Gipfelparade, welche sich vom Höchstein über die Hochwildstelle weiter über den auffallend gefurchten Rauhenberg zum Greifenberg und über die Pöllerhöhe und die Gangln zum dominanten Hochgolling zieht. Im Hintergrund Waldhorn und Kieseck.

Großartiger Panoramablick von der Hochwildstelle Richtung Süden zum Greifenberg (Klick zur Vergrößerung)

Großartiger Panoramablick von der Hochwildstelle Richtung Süden zum Greifenberg (Klick zur Vergrößerung)

Westlich über uns: Zwerfenberg und Elendberg – unser eigentliches Gipfelziel – … und … eine grasdurchsetzte Felspyramide, die wir zwar die längste Zeit im Blickfeld haben, aber zunächst nicht als eigenständigen Gipfel definieren und benennen können. Der Gupf sollte sich später als der 2.627 Meter hohe Pfeifer herausstellen.

Doch zuvor zeigte sich wieder einmal, wie einfach man Berg-Fotografen zufriedenstellen kann: Eine simple kleine Lacke inmitten archaisch anmutender glatter Felsplatten. Und als Tüpfelchen auf dem i spiegelt sich darin auch noch der Hochgolling. Sowie der AlpenYeti, wenn er von einem auf dem Bauch auf einem spitzen Stein im Wasser liegenden, erfahrenen Naturfotografen entsprechend angewiesen wird 🙂 .

In einer Felsscharte nördlich vom Elendberg stehen wir an

In einer Felsscharte nördlich vom Elendberg stehen wir an

Nachdem wir uns bei diversen Bächlein am delikaten Hochgebirgswasser erfrischt hatten, starten wir den anspruchsvolleren Teil des Anstiegs: Über einen kleinen Mini-Gletscher, der dennoch bereits mit einer ganz beachtlichen Spalte aufwarten kann, erreichen wir ein steiles steinübersätes Schuttfeld, welches uns zu den Felsen in einer deutlich erkennbaren Scharte nördlich des Elendbergs hinaufführt.

Die aus der Ferne gut machbaren sehr steilen Felsen erweisen sich beim Näherkommen als ziemlich steil und glatt – hart an der Grenze unseres Klettervermögens. Martin hantelt sich dennoch bis auf die Gratschneide empor, danach gibt es für unsere Fähigkeiten aber kein Weiterkommen mehr.

Der Wiederabstieg zum Schuttfeld war dann auch kein Honiglecken, aber der Abwurf vom Elendberg hat uns derart aufgestachelt, dass wir unbedingt noch einen Gipfelsieg wollten. Und den fanden wir dann unerwarteterweise am benachbarten Pfeifer, der sich über einen kurzen, scharfen Felsgrat und anschließendes felsblockdurchsetztes Steilgrasgelände schlussendlich doch recht einfach erklimmen läßt.

Der Ausblick beim Gipfelstoamandl ist großartig, für eine ausgiebige Bier-Jause ist es uns aber doch a) zu windig und b) am Rückweg zu ausgesetzt. Deshalb vertagen wir den Gerstensaftgenuß vorerst noch ein wenig.

Also steigen wir zunächst wieder über den Zustiegsweg ab. Zurück über den Gletscher bis unterhalb der Kühkarscharte.

Hier aber heisst es jetzt endlich: „Zisch„.

Nach entspannender, aber leider etwas schattiger Pause östlich der Kühkarscharte plagen wir uns mit gefülltem Bauch – das Bier musste sich den Platz mit einigen Landjäger-Würsten und Cabanossi-Stangen teilen – hinauf zum Übergang ins Obertal, gespannt was uns da erwarten würde. Zwar kannte ich die Route bereit von meiner Schitour auf den Zwerfenberg, aber wie würde es hier im Sommer aussehen.

Martin sah sich den Übergang als Erster an – und von ihm kamen die erlösenden Worte: „Do loch i jo nur, wenn i mir des anschau„. Und wirklich ließ sich das Stein- und Felsblock-Feld trotz seiner Steilheit recht einfach begehen und bald waren wir unten bei einem windstillen Platzerl am Ostufer des Elendbergsees, wo wir in der Spätnachmittagssonne – begleitet vom leisen Gurgeln und Plätschern des Seewassers – eine einzigartig entspannende halbe Stunde (und einem weiteren Bierchen) verbrachten.

Abstieg zum Elendbergsee

Abstieg zum Elendbergsee

Wäre der Tag nicht schon so weit fortgeschritten, wäre hier ein Schläfchen ideal gewesen. So aber mussten wir uns sputen, um noch bei halbwegs vernünftigen Lichtverhältnissen zur Eschachalm zu gelangen. Etwas aufgehalten wurden wir dann aber von einigen Gämsen, die sich aber rasch entfernten und uns für Foto-Shootings leider nicht mehr zur Verfügung standen.

Den Eiskarsee ließen wir in der Folge links liegen – vielleicht wird das ja einmal ein eigenständiges Fototourenziel. Bei noch brauchbarem Tageslicht erreichten wir die Forststraße, der wir mit Einbruch der Dunkelheit dem markierten Wanderweg im Wald den Vorzug gaben.

Fazit der Tour: Auch wenn wir humortechnisch noch junggeblieben sind, so geht eine sich über 12 Stunden ziehende Wandertour mit 1.700 Höhenmetern und 23 Kilometern nicht mehr spurlos an uns (oder zumindest an mir) vorüber.

Weitere Erkenntnis: Die Tourenziele in die Einsamkeit der Schladminger Tauern werden uns nicht ausgehen.

Und wenn wir irgendwann gar nicht mehr kraxln können, trinken wir unser Bier halt irgendwo auf einer Hütte z.B. im Umfeld von Gosau, während wir über Inuit, Russland oder Namibia sinnieren oder auch darüber, dass „ein helles Dach durchaus auch einen dunklen (schwoschzn) Keller“ bedeuten kann 🙂

Weitere Philosophien kreisten um die Themen „Am Gletscher brauchts nit imma lange Hosen“, „Pink“, „Entfesseltes Blitzen zum Blenden von Box-Weltmeistern“.

Bisherige Gemeinschaftswanderungen mit Martin

  1. Krügerzinken – 06.08.2008
  2. Wildkarsee – 08.09.2009
  3. StegerkarWildkarHerzmaierkar – 22.08.2010
  4. Steinkarzinken – Seekarzinken – Sonntagkarzinken – 10.09.2011
  5. Engelkarspitze 06.10.2012
  6. Klafferkessel – Greifenstein – 03.08.2013

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

 

Nachfolgend noch einige weitere Impressionen von unserer Wandertour:

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