Ramsauer Klettersteig – Scheichenspitze 2 – Gratwanderung

Im ersten Teil dieser Artikelserie habe ich über den Zustieg zum Ramsauer Klettersteig durch das Edelgrieß berichtet (und ich bestehe auf „das“ Edelgrieß, auch wenn es im Prospekt „die“ Edelgrieß heißt). In diesem Beitrag möchte ich etwas über die Gratwanderung am Ramsauer Klettersteig von der Edelgrießhöhe zur Scheichenspitze erzählen.

Die Gesamtbegehungszeit des Klettersteigs von der Edelgrießhöhe bis zur Gruberscharte wird im Prospekt, den wir bei der Rückfahrt an der Mautkassa erhalten haben, mit 3,5 Stunden angegeben. Wir sind zwar „nur“ bis zur Scheichenspitze gewandert und haben das letzte Drittel (ca.) über die Hohe Rams ausgelassen, haben aber dennoch fast mehr als diese Vorgabe benötigt.

Der Grund: Ich habe nicht nur ausgiebig fotografiert, sondern mit Ingrid auch viele Video-Sequenzen gedreht und da kann es schon einmal erforderlich werden, dass man die eine oder andere Stelle gleich mehrfach passiert.

Ingrid auf einem der zahlreichen Felstürme, die es zu überklettern gilt

Ingrid auf einem der zahlreichen Felstürme, die es zu überklettern gilt

Man darf sich auch nicht dem Trugschluß hingeben, dass es am Grat mehr oder weniger „eben“ dahingeht – im Gegenteil. Etliche kleinere und größere Felstürme und sogar ein Gipfel – der Hohe Gamsfeldspitz – müssen am Ramsauer Klettersteig im stetigen Auf und Ab bewältigt werden.

Der Klettersteig gehört mit der maximalen Schwierigkeit C zwar eher zu den einfacheren seiner Art und über weite Strecken wäre ein Klettersteigset nicht unbedingt erforderlich, an einigen Schlüsselstellen ist man dann aber doch sehr froh, über das Gefühl der Sicherheit, auch wenn man sich beim Ausrutschen am falschen Ort auch ganz schön weh tun könnte.

Der markante Schmiedstock wird rechts über eine steile Rampe umgangen

Der markante Schmiedstock wird rechts über eine steile Rampe umgangen

Die Schlüsselstellen am Ramsauer Klettersteig

Wo liegen nun die anspruchsvollsten Schlüsselstellen am Ramsauer Klettersteig? Im Wesentlichen würde ich hier 3 Passagen sehen:

Zunächst einmal ist hier gleich die erste Abstiegsstelle von der Niederen Gamsfeldspitze in eine Scharte zu erwähnen. Mag sein, dass es daran lag, dass wir uns erst wieder an die Felsen gewöhnen mussten, aber mit umgeschnallten Fotoapparat (ich bestehe darauf, dass es nicht mein Bauch war 🙂 ) und dem Rucksack am Rücken wurde es hier gleich einmal ein wenig eng.

Auch der Abstieg vom Hohen Gamsfeldspitz (2.655) ist steil, aber hier gibt es auch für beleibtere Geher ausreichend Raum (und ich bestehe darauf – ich bin nicht dick 🙂 ).

Und zuletzt wartet mit der steilen kaminartigen Rampe südlich des Schmiedstock eine weitere Herausforderung, die wir aber Richtung Scheichenspitze im Anstieg (und damit deutlich einfacher) begehen können. Außerdem helfen Eisenklammern über glatte Felsen hinweg.

Wie bereits erwähnt gibt es aber vielfach auch recht einfache Wegstrecken am Grat entlang, auch wenn immer wieder der eine oder andere Felsturm überklettert werden muss. Die „Vierer-Seilschaft aus Dresden“, die bereits seit dem Edelgrieß in einiger Entfernung vor uns geht, schlägt genau unser eigenes Tempo an und befindet sich meist in Sichtweite.

Gelegentlich zeigt sich ein "Menschlein" am Grat

Gelegentlich zeigt sich ein „Menschlein“ am Grat

Und abgesehen von einem Paar, welches uns beim Hohen Gamsfeldspitz entgegen kommt, haben wir über einige Stunden von der Edelgrießhöhe bis knapp vor die Scheichenspitze keinen direkten menschlichen Kontakt.

Hin und wieder taucht auf einem Felszacken ein „kleiner“ Strich auf, der uns die wahren Dimensionen des Gratübergangs vergegenwärtigt.

Wir fotografieren und filmen und verlieren uns in unseren Gedanken. Die eine oder andere Stelle verlangt besondere Aufmerksamkeit und dann kommt tatsächlich dichterer Nebel auf – ein Déjà-vu. Aber Gottseidank löst er sich bald wieder auf und wir können heute den gesamten Routenverlauf einsehen.

Ingrid in der steilen Rampe am Schmiedstock

Ingrid in der steilen Rampe am Schmiedstock

Der markante Schmiedstock wird südlich umgangen – jetzt wissen wir endlich, wie es hier aussieht. Die letzten Meter geht es noch einmal ordentlich steil – mit Eisenklammern aber gut unterstützt – bergauf (eine der 3 Schlüsselstellen), ehe der Weg wieder einfacher wird (überwiegend Gehgelände).

Ab dem Schidepot ist die Route dann ohnehin bereits bestens bekannt, auch wenn Ingrid es kaum glauben kann, dass wir hier schon einmal mit Schischuhen gewandelt sind.

Beim großen Gipfelkreuz auf der 2.667 Meter hohen Scheichenspitze sind wir alleine.

Weiter geht´s im 3. Teil mit der Gipfelrast und dem Abstieg über die Gletscherreste.

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian


Direktzugriff auf die einzelnen Artikel

  1. Der Zustieg durch das Edelgrieß
  2. Die Gratwanderung am Klettersteig
  3. Der Gipfel und Abstieg
  4. Die Galerie und das Video

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