Schwierige Wanderberge: Großer Ödstein

Beim Großen Ödstein lief meine Vorbereitung eigentlich genau umgekehrt wie beim Kleinen Buchstein.

Während der Buchstein in manchen Internet-Berichten als Nachmittags-Jausenberg beschrieben wurde (der er definitiv nicht ist), gab es von der Bergtour über den Kirchengrat auf den Großen Ödstein schaurige Foto-Motive, die ich dann vor Ort in Natura gar nicht sooo gruselig empfunden hatte.

Felsimpressionen am Weg auf den Großen Ödstein

Felsimpressionen am Weg auf den Großen Ödstein

Aber – ja – es gibt sie, die großen Herausforderungen und Schlüsselstellen: Zumindest für den Wanderer und Nicht-Kletterer. Und wenn man dann auch nicht mit besonders langen Beinen gesegnet ist, kann schon einmal ein überhängender Felsblock mitten im Weg zur großen Hürde werden.

Übergang vom Ödstein zum Festkogel

Übergang vom Ödstein zum Festkogel

Bergauf schwindelt man sich vielleicht noch mit letzter Armkraft drüber, aber bergab haben mir auch wesentlich talentiertere und körperlich größere Bergsteiger von Problemen berichtet.

Die erste Schlüsselstelle, an die ich mich erinnern kann, liegt aber bereits weiter unten: Am oberen Ende eines Schotterfeldes wartete eine unangenehme rutschige, steinschlaggefährdete Rinne mit brüchigem Gestein und harter Erde.

Danach folgt wieder einfaches Gehgelände, welches vor allem durch die grossartigen Felsformationen zu begeistern weiß.

Bis man auf den weiter oben erwähnten abweisenden Felsblock trifft. Für mich die schwierigste Stelle der Tour.

Die nächste Schlüsselstelle wartet in einer Kluft am Übergang zwischen Kleinem und Großem Ödstein: Es gilt, auf einer senkrechten, sehr ausgesetzten Felswand nach oben zu klettern. Diese Stelle – für mich auf Internet-Bildern die haarsträubendste – empfand ich dann im Aufstieg als relativ unschwierig. Anders beim Abstieg. Hier war, nicht zuletzt auf Grund der Müdigkeit dann neben höchster Konzentration auch einige Überwindung erforderlich (aber beim Abstieg sollte ich mir ohnehin noch wesentlich anstrengendere Prüfungen auferlegen).

In der Folge wechselt sich bis zum Gipfelkreuz steiles grasdurchsetztes Gehgelände mit anregenden (beim Abstieg dann schon eher aufregenden) Kletterpassagen im Schwierigkeitsgrad II.

So weit, so gut – aber man muss ja auch wieder hinunter.

Zunächst bis zur Schlüsselstelle beim Übergang zum Kleinen Ödstein. Dieser Gipfel wird auch noch schnell mitgenommen. Fast wie zum „Zeitschinden“ um die kommenden Anforderungen noch etwas hinauszuzögern. Und wer weiß, ob ich jemals wieder hier herauf komme.

So und was macht man dann, wenn man sich vor den kommenden Schlüsselstellen – dem überhängenden Felsblock und der rutschige Steilrinne – fürchtet:

Riiiichtig – man folgt den blauen Punkten auf einer völlig unbekannten Route ins Nichts, von der weder bekannt ist, ob sie überhaupt ins Tal führt und wenn ja, ob nicht weiter unten Schwierigkeiten jenseits meines Abstieg-Klettervermögens liegen. Ein III-er hätte da schon gereicht.

Die Schimpfwörter, mit denen ich mich für diese Gedankenlosigkeit selbst bedacht habe, sind nicht einmal dazu geeignet, in einem noch so freizügigen Internet wiedergegeben zu werden.

Nun, wie ihr in meinem Bildbericht nachlesen könnt, ist alles gut gegangen.

Ob ich jemals wieder auf den Großen Ödstein steige, möchte ich nicht gänzlich ausschließen. Die Gamssteinsattel-Route sieht mich aber definitiv nie mehr wieder. Was für uns beide – mich und diese Route – aber kein allzu großer Verlust sein dürfte.

Mein Routenverlauf im Uhrzeigersinn

Mein Routenverlauf auf den Großen Ödstein im Uhrzeigersinn

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian


Artikelserie: Meine 10 schwierigsten Bergwanderungen

Weitere Impressionen von der Bergtour auf den Großen Ödstein

Schreibe einen Kommentar

Please use your real name instead of you company name or keyword spam.

*