Wandern vom Pyhrnpass auf den Bosruck

Pyhrnpaß oder Bosruck – diese Frage stellt sich dem Autofahrer, wenn er zwischen Liezen und Spital am Pyhrn die Bundeslandgrenze Steiermark / Oberösterreich passieren möchte.

Entweder auf der kurvigen Paßstrasse über den 954 Meter hohen Paß oder im Tunnel durch den Berg.

Für den Wanderer stellt sich diese Entweder-Oder-Frage nicht. Er hat die Möglichkeit, vom Paß auf den Berg zu wandern.

Der Bosruck, wie auch sein westlicher Nachbar, der Kitzstein waren mir bereits von einer Überschreitung und Rundtour am 19.06.2005 bekannt (Ausgangspunkt bei der Ardningalm).

Beim Aufbruch vom Pyhrnpass gesellt sich mit dem Lahnerkogel noch ein 3. Gipfel (alle mit Gipfelkreuz) hinzu. Damit hatte die Tour also alle Zutaten für eine interessante Bergunternehmung. Einziger kleiner Wehmutstropfen: Man muss bei dieser Route am Anstiegsweg wieder zurück.

Ich möchte mein Fazit dieser aussichtsreichen Berg- und Gratwanderung an der Landesgrenze gleich vorwegnehmen: Es war eine grossartige Tour, die mir richtig viel Freude bereitet hat.

Die letzten Meter zum Gipfelkreuz am Bosruck

Die letzten Meter zum Gipfelkreuz am Bosruck

Begonnen hat alles am frühen Nachmittag, nachdem ich zuvor noch einige Stunden der Arbeit gewidmet habe.

Das Wetter war prächtig, aber selbst beim Start am Pyhrnpass nicht allzu heiss. Wanderwetter vom Feinsten also.

Schnell raus aus der Arbeitskleidung und rein in die Wanderkleidung, die sich am Vormittag im Auto schon ordentlich aufgeheizt hat.

Die Luft war klar, ohne merkbare Schwüle, und so komme ich flott voran und stehe bald bei der Fuchsalm, wo mich die gefährlichsten Tiere der Alpen (und das ist kein Witz angesichts der in den letzten Tagen wieder gehäuft auftretenden Todesfälle und schweren Verletzungen) argwöhnisch beäugen.

Von der Fuchsalm führt das Steiglein zunächst in den dichten Wald, später wird eine Forststraße gequert. In der Folge schlängelt sich der Weg in vielen Serpentinen über freie Wiesenflächen mit hohem Gras und leuchtenden Blumen.

Gelegentlich macht sich eine Brennessel unsanft an den beinkleidfreien Waden bemerkbar.

Vorbei an einem Brunnen mit herrlich kaltem Quellwasser und auffallend laut zirpenden Grillen erreiche ich bald die Baumgrenze.

Lawinenverbauung am Lahnerkogel

Lawinenverbauung am Lahnerkogel

Von Lahnerkogel leuchten etliche rostig-braune „Eisenmonster“ herunter, die den winterlichen Lawinen Einhalt gebieten sollen.

Zwischen diesen Eisengerüsten und dem Latschengürtel erreiche ich bald das Gipfelkreuz am Lahnerkogel, welchen ich ebenfalls bereits besucht habe (Lahnerkogel am 25.12.2006).

Angesichts des Schnees sind wir damals aber am Grat nicht mehr weiter gewandert, zumal man sich am weiteren Routenverlauf stellenweise in ausgesetztem Gelände bewegt (einige Drahtseilsicherungen).

Heute – bei Trockenheit – aber kein Problem. Im Gegenteil: Ein großes Vergnügen.

Beim Gipfelkreuz am Kitzstein fülle ich erst einmal mit etwas Obst meine Energiespeicher, während ich im Gipfelbuch über die Hintergründe der Gipfelkreuz-Errichtung nachlese.

Aus Dankbarkeit, dass der geplante Wahnsinn der Errichtung eines Atommüll-Lagers im Bosruck im Jahre 1991 verhindert werden konnte, wurde dieses Gipfelkreuz aufgestellt.

So, nun wartete der letzte und höchste Gipfel dieser Bergwanderung. 8 Meter fehlen dem Bosruck zum vollwertigen 2.000-er.

Bosruck-Gipfelkreuz

Bosruck-Gipfelkreuz

Daran kann auch das übermächtige Gipfelkreuz, welches ich von meinem Arbeitsplatz aus so deutlich wahrnehmen kann, nichts ändern.

Beim Aufstieg aus Richtung Westen verliert man zunächst wieder einige Höhenmeter. Das Steiglein umgeht die schroffen Gratfelsen über die südseitigen Wiesen- und Schrofen-Steilhänge.

Die letzten Meter des Gipfelaufbaus sind für Steine-Liebhaber ein Paradies. Eine herrliche alpine Szenerie. Mit der Krönung des hervorragenden Ausblicks beim Gipfelkreuz.

Im Süden (Steiermark) die Ardningalm, dann das Ennstal von Selzthal bis Admont. Noch weiter südlich überragt die Bösensteingruppe alle anderen Gipfel der Rottenmanner und Wölzer Tauern.

Im Südosten die Gesäuseberge mit Buchsteinstock (Großer Buchstein, Admonter Frauenmauer und St. Gallener Spitze), der Hochtor-Gruppe (Planspitze, Hochtor, Großer Ödstein) und Admonter Reichenstein / Sparafeld und Admonter Kalbling, im Osten die Haller Mauern mit Grossem Pyhrgas, Scheiblingstein, Kreuzmauer und Hexenturm.

Im Westen die markante Spitze des Hochtausing (auch am 03.06.2012), der dominante Grimming und im Hintergrund die gletscherbedeckten höchsten Dachsteingipfel.

Im Norden (Oberösterreich) eingerahmt vom Warscheneckstock im Toten Gebirge, dem zu den Ennstaler Alpen zählenden Grossen Pyhrgas und dem Sengsengebirge (auch am 12.07.2009) in den Oberösterreichischen Voralpen der grüne Talkessel zwischen Spital am Pyhrn, Windischgarsten und Roßleithen.

Angesichts der bereits fortgeschrittenen Stunde habe ich heute nicht viele Wanderer getroffen. 4 Dreiergruppen und 1 Zweiergruppe sind mir bei meinem Aufstieg entgegen gekommen.

Beim Gipfelkreuz am Bosruck kam ein Wanderer kurz vor mir an (über den Klettersteig), brach aber schon bald wieder Richtung Kitzstein auf.

So war ich während meines einstündigen Schläfchens alleine – vermute ich zumindest 🙂

Panoramablick vom Kitzstein (Klick auf das Bild zur vergrößerten Anzeige)

Panoramablick vom Kitzstein (Klick auf das Bild zur vergrößerten Anzeige)

Beim Rückweg in der tiefstehenden Sonne war es nun schon deutlich kühler. Der Herbst klopft an.

Eine demonstrativ unaufgeregt wirkende Gams sowie ein „gummiartiger“ Salamander bieten sich mir als Fotomotiv an.

Die Kühe bei der Fuchsalm haben sich über die Wiesen verteilt.

Zurück beim Auto empfinde ich ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit und Dankbarkeit für diese schöne Tour.

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

 

Weitere Impressionen von der Bosruck-Wanderung

 

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