Bergwandern vom Pleschnitzzinken zum Gamskarspitz (Schober)

Ich schätze den Pleschnitzzinken als Wanderberg – allerdings nicht so sehr im Sommer, wo viele Schafe deutlich sicht- und riechbare Spuren hinterlassen, sondern vielmehr im Winter.

Bevorzugt vor dem offiziellen Start der Schisaison am Galsterberg, wenn aber dennoch schon gute Bedingungen für Schneeschuhwanderungen oder Schitouren gegeben sind.

Im Sommer habe ich beim Pleschnitzzinken sonst immer das Gefühl, „nur dabei, statt mittendrin“ zu sein, insbesondere beim verlockenden Ausblick auf die weiter südlich gelegenen Nachbargipfel wie Hochwildstelle, Umlaufer oder Höchstein.

Heute hätte es sich notgedrungen aber fast ergeben, dass es beim Pleschnitzzinken als sommerlichen Hauptgipfelziel geblieben wäre, aber dann gab es doch noch eine erfreuliche Wendung.

Und das kam so:

Am Weg vom Pleschnitzzinken zum Gamskarspitz

Am Weg vom Pleschnitzzinken zum Gamskarspitz

Für heute waren die Wetterprognosen nicht wirklich eindeutig.

An manchen Stellen wurde Regen bereits ab den Vormittagsstunden angekündigt, andere versprachen trockene Verhältnisse bis zum Nachmittag.

Ich glaubte lieber den positiveren Vorhersagen und als es dann frühmorgens um 6 Uhr wirklich wolkenloses Schönwetter gab (zumindest beim Blick aus dem Fenster), machte ich mich auf den Weg auf den Pruggererberg zum Bottinghaus, auf mehr als 1.600 Meter Seehöhe gelegen.

Süße Schwarzbeeren am Wegesrand

Süße Schwarzbeeren am Wegesrand

Auf den ersten Schritten spürte ich noch deutlich die Müdigkeit von der gestrigen Wanderung auf den Bosruck in den Beinen, aber spätestens als ich mich an den ersten köstlichen Schwarzbeeren labte, war ich wieder motiviert und fit.

In der ersten Viertelstunde konnte ich mich über perfekte Wetterverhältnisse freuen, aber dann zogen sehr rasch Wolken auf und ließen der Sonne kaum mehr Platz zum Durchblinzeln.

Der Wind war nun ohne die Wärme der Morgensonne auch recht unangenehm, aber ich hatte ja genug Kleidungsreserven eingepackt.

Allerdings zweifelt ich allmählich an meinem Vorhaben, vom Pleschnitzzinken zur Ochsenkarhöhe abzusteigen und dann den Gamskarspitz – auch Schober genannt – zu besteigen.

Richtung Westen schaute es schon fast so aus, als würden die angekündigten Regenfälle bereits bald loslegen und ich stellte mich schon innerlich darauf ein, es bei meiner Wanderung mit dem Pleschnitzzinken bewenden zu lassen. Vielleicht gibt es morgen ja noch einmal Gelegenheit für eine kleine Wanderung, denn in der kommenden Woche ab 11.08.2014 war nur mehr Regen und Abkühlung prognostiziert.

Vom Gipfelkreuz bot sich aber nun ein komplett anderes Bild. Die Wolken waren ebenso rasch wieder verschwunden, wie sie gekommen waren und zwischen Hochwildstelle und Gamskarspitz sah es nun einfach zu verlockend aus, als dass ich hätte widerstehen können.

"Stumme" Schafe am Pleschnitzzinken

„Stumme“ Schafe am Pleschnitzzinken

Also machte ich mich auf den teilweise rutschigen Abstieg über die steile Westflanke zur Ochsenkarhöhe, von wo aus der markierte Steig zum Gamskarspitz wieder zu steigen beginnt.

Der Gamskarspitz ist ein „nobler“ Berg. Immerhin kann er gleich 2 Namen vorweisen. Schober ist sein Zweitname.

Verständlich wegen der Verwechslungsgefahr, immerhin gibt es viele Gipfel, welche das „Gamskar“ im Namen führen. Allein 7 davon sind in meinem Tourenbuch verewigt. Aber mit „Schober“ hat man ebenfalls einen weitverbreiteten Namen gewählt, der sich in meinem Tourenbuch in der einen oder anderen Form gleich 13 Mal findet.

Die Überquerung vom Pleschnitzzinken zum Gamskarspitz stand bei mir übrigens bereits einmal am Tourenplan. Damals bekam ich beim Abstieg von der Vockentalspitze einen ordentlichen Regenguß ab – ich hoffte stark, dass sich das heute nicht wiederholen wird, zumal es jetzt langsam wieder bewölkter wurde.

Gedränge am Gamskarspitz

Gedränge am Gamskarspitz

Der Gamskarspitz ist ein relativ einsamer Berg, das Gipfelbuch hält sich immerhin schon seit 2003.

Ein einsamer Berg? Nicht wenn man am falschen Tag hinaufwandert, wo sich justament rund ein Drittel der gesamten Jahresbesucher beim Gifpelkreuz einfindet 😉 (schöne Grüße an die Feuerwehr-Gruppe).

Denn schon bald hörte ich beim Vorbeiqueren an Scheibleck und Trifachkogel Stimmen hinter mir.

Und dann konnte ich eine lange Schlange von in Reih und Glied hinter mir rasch näherkommenden Wanderern erkennen. Habe ich etwa übersehen, dass hier heute ein Berglauf stattfindet? 🙂

Wenig später hörte ich auch noch vom Gipfelaufschwung herunter sich unterhaltende Bergsteiger – wüßte ich es nicht besser, würde ich den Gamskarspitz für einen Modeberg halten.

Aber keine Sorge liebe Einsamkeits- und Stille-Suchende. Dem ist nicht so. Auch wenn der Gamskarspitz nicht zu den wirklich entlegen liegenden Bergen gehört, den für diese darf ich laut meiner eigenen Definition am Samstag zu Mittag die Feuerwehr-Sirenen nicht hören und das war heute aber der Fall.

Tief unter mir schimmert der steirische Bodensee blau herauf, die Wolken werden immer dichter und die ersten Mitglieder der 12-köpfigen Wanderergruppe eilen hurtigen Schrittes an mir vorbei.

Aber es war auch nicht zu übersehen, dass sich der eine oder andere in seiner Gehgeschwindigkeit etwas übernommen hat und die Beine schon schwer werden.

An einer Gedenktafel und der Abzweigung zum Bauchwehgasserl vorbei geht es über Blockgestein überraschend einfach höher. Von weiter unten hat diese Passage nahe am steil nach Süden abbrechenden Ostgrat noch recht abweisend und schwierig ausgesehen.

Nahe am Grat überraschend einfach auf den Gamskarspitz (rechts)

Nahe am Grat überraschend einfach auf den Gamskarspitz (rechts)

Schließlich stehe ich beim Gipfelkreuz am Gamskarspitz (Schober). Von Süden her ziehen jetzt dichte Wolkenschwaden über die Hochwildstelle heran und wenig später – die Mitglieder der Wanderergruppe sind allmählich nach und nach eingetrudelt – liegt auch der Gipfel im Nebel.

Den Versuch eines kurzes Schläfchens breche ich wieder ab. Die Temperaturen wären zwar trotz dichter Bewölkung recht angenehm, aber mir fehlt die Stille, also mache ich mich nach etwa einer halben Stunde wieder bereit zum Aufbruch. Ich hatte ohnehin kaum Jause mitgenommen, weil ich mich für den Anstiegsweg deutlich verkalkuliert habe.

Die beim Pleschnitzzinken angeschriebenen Gehzeit von 3 Stunden zum Gamskarspitz braucht man zwar im Normalfall auch wieder nicht, aber die eine oder andere leicht ausgesetzte Steilhangquerung und stellenweise rutschige Steinplatten erlauben kein allzu rasches Vorwärtskommen.

Hinab geht´s wieder am Anstiegsweg zur Ochsenkarhöhe und dann wieder ca. 150 Höhenmeter hinauf auf den Pleschnitzzinken, wo sich jetzt eine größere Schafgruppe eingefunden hat. Selten, dass ich Schafe so ruhig und entspannt erlebt habe. Kein Blöcken, kein panikartiges Flüchten, lediglich ein paar Lämmer weichen mit etwas rascherem Schritt aus.

Bald erreiche ich die Pleschnitzzinkenhütte, dann aber werde ich extrem langsam. Grund: Die süßen Schwarzbeeren, an denen ich mich kaum sattessen kann.

Zurück beim Ausgangspunkt beim Bottinghaus muss ich zunächst einmal meine blau-rot gefärbten Hände so einigermaßen reinigen.

Fazit der Tour:

Der Pleschnitzzinken liegt in meiner Touren-Statistik bei den am häufigst besuchten Gipfeln an 7 Stelle (von 1.075), er wäre mir aber – im Sommer wohlgemerkt – zu wenig für eine erfüllende Wanderung. In Kombination mit dem Gamskarspitz (oder zumindest dem Scheibleck) ergibt sich aber eine sehr lohnende Ganztageswandung mit faszinierenden Einblicken in die Bergwelt zwischen den Goldlacken über die Hochwilstelle zum Höchstein.

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian


Tourengebiet Galsterbergalm

Tourengebiet Pruggern - Galsterbergalm

Tourengebiet Pruggern – Galsterbergalm

Routenverlauf Pleschnitzzinken – Gamskarspitz

Routenverlauf Pleschnitzzinken - Gamskarspitz

Routenverlauf Pleschnitzzinken – Gamskarspitz

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

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