Schwierige Wanderberge: Kleiner Buchstein

Wie in der Einleitung zu meiner Artikelserie „Meine schwierigsten Bergwanderungen“ erwähnt, handelt es sich bei den dabei vorgestellten Gipfeltouren nicht mehr unbedingt um klassische Wanderberge. Stellenweise werden hier bereits (einfache) Kletterfertigkeiten benötigt, die sich allerdings auf die untersten Schwierigkeitsgrade (max. II+) beschränken.

Der erste dieser hier vorgestellten Kletterberge hat mich erst beim 2. Anlauf hinauf gelassen und auch da erst nach einem längeren „Vorgeplänkel.“

Dabei hat dieser Gipfel nicht einmal das Attribut „Groß“ oder „Hoch“ vor dem Namen stehen, sondern – ganz im Gegenteil – ein „Klein„. Und auch seine Höhe von 1.990 Metern lässt ihn in der Statistik eher „klein“ wirken.

Vielleicht wehrt er sich ja gerade deshalb und lässt nicht jeden Wanderer auf seine höchste Spitze: Der Kleine Buchstein

Tourengebiet Kleiner Buchstein

Tourengebiet Kleiner Buchstein

Zustiegsrouten zum Kleinen Buchstein

Zustiegsrouten zum Kleinen Buchstein

Auch ich war wohl bei meinem ersten Besteigungsversuch zu arrogant. Natürlich wusste ich über seine Schwierigkeiten Bescheid. Ich wähnte mich gut vorbereitet, sah mir Fotos von (mit Sicherheit besseren) Bergsteigern an, die den Gipfel am späten Nachmittag quasi im Vorbeigehen in Jeans mitgenommen haben.

Den 2. Kletter-Schwierigkeitsgrad traute ich mir auf jeden Fall auch im Abstieg zu, diesbezüglich hatte ich ja auch bereits Erfahrung vom Großen Ödstein und bei diesem waren die anspruchsvollen Stellen wesentlich anhaltender. Was sollte mir also dieser „Winzling“ schon großartig anhaben können.

Also machte ich mich am 09.06.2010 auf den Weg über den Buchauer Sattel und startete meinen nordseitigen Anstieg vom Wh. Fischerhütte nahe St. Gallen.

Meistens gelingt es mir, eine Wanderung nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ zu genießen. An diesem Tag aber war ich ziemlich „gipfelfixiert“. Ich wollte möglichst schnell zu den eigentlichen Schlüsselstellen und Herausforderungen vorstoßen. Was angesichts der 1.300 Aufstiegs-Höhenmeter allerdings nicht ganz so schnell vor sich geht.

Kleiner Buchstein

Kleiner Buchstein

Aber als ich dann endlich beim steilen Felseinstieg stand, überkam mich angesichts der ausgesetzten Kletterstelle dann doch gleich einmal ein mulmiges Gefühl.

Mehrmals versuchte ich, mich zu motivieren, da ich mir sicher war, den klettertechnischen Herausforderungen gewachsen zu sein. Aber mental war ich heute nicht so weit. Ich legte den mehr als 1 kg schweren Fotoapparat ab. Vielleicht geht es so leichter – gibt´s halt kein Gipfelfoto. Hände an die Felsen, Absicherung nach der Drei-Punkt-Regel. Verflixt, das kann ja nicht so schwierig sein.

Kletterstellen im steilen Fels

Kletterstellen im steilen Fels

Nein heute – an diesem 09.06.2010 – sollte es nicht sein. Ärgerlich, aber ich packe es heute nicht. Vielleicht ein anderes Mal, vielleicht auch nie. Ich bin eben doch nur ein Wanderer und kein Kletterer. Dabei bin ich mir sicher, dass der Gipfel in Begleitung anderer Bergkameraden kein Problem dargestellt hätte.

So wie ich es schon einige Male erlebt habe, geht es sich in der Gruppe einfach leichter. Schwierigkeiten werden gar nicht so drastisch wahrgenommen, wenn man sieht, wie locker andere über die eine oder andere Schlüsselstelle kommen.

Eine kleine Blockade hatte ich auch deshalb, weil ich nicht wusste, ob es weiter oben nicht noch anspruchsvoller wird – und ich müsste ja auch wieder aus eigener Kraft herunter.


2 Jahre lang hat mich dieses Erlebnis nicht mehr losgelassen. Ich recherchierte und las viel über die Buchstein-Bezwingungen von anderen Bergsteigern. Warum hörte sich das bei denen so einfach an?

Es reizte mich, den Kleinen Buchstein noch einmal zu versuchen. Am 24.07.2012 fühlte ich mich dann stark genug, einen neuerlichen Besteigungsversuch zu wagen. Die Wetterverhältnisse waren gut, höchstens ein bisschen heiß.

Über den Otterriegel auf den Kleinen Buchstein

Über den Otterriegel auf den Kleinen Buchstein

Um den langen Zustieg etwas spannender zu gestalten, wählte ich dieses Mal eine andere Route: Ich startete in der Nähe des Erbsattels, um dieses Mal auf der Ostseite über den Otterriegel aufzusteigen, aber im Grunde drehte sich auch heute alles nur um den Gipfel.

Schwierigkeit II war auf den Wegweisern zu lesen. Ich wusste: Das kann ich – auch im Abstieg. Um Gewicht zu sparen, hatte ich heute auch nicht meinen großen, schweren Fotoapparat mitgenommen, sondern bloß eine kleine Kompaktkamera, die mich beim Klettern nicht behindern würde.

Ich war froh, als ich dann endlich bei der bereits bekannten Kletter-Einstiegsstelle stand. Und – sofort zog es mir wieder den Magen zusammen. Mehrmals versuchte ich, den ersten Kletteraufschwung anzugehen.

Die nordseiten Felsen waren aber nach den Regenfällen der vergangenen Tage noch recht feucht und rutschig. Das darf doch nicht wahr sein. Bergauf sieht es ja gar nicht so schwierig aus. Da ein guter Griff, dort ein sicherer Tritt. Aber einmal zuviel nach unten geschaut, und der ganze Mut war wieder verflogen.

Soll das tatsächlich der „leichte Spaziergang“ sein, von denen im Internet einige verwegene Kletterer berichteten? War ich womöglich an der falschen Stelle? Nein – ganz deutlich waren einige rote Markierungspunkte zu sehen, die den einfachsten Anstieg kennzeichnen.

Nun, eigentlich hatte ich mich bereits damit abgefunden, dass das Gipfelkreuz am Kleinen Buchstein für mich unerreichbar bleiben wird. Ärgerlich, aber nicht zu ändern.

Gleich absteigen wollte ich aber auch nicht. Also setzte ich mich zunächst einmal zu einer Jause nieder. Gesättigt und „entdurstet“ gönnte ich mir dann auch gleich noch ein längeres Nickerchen bei angenehmen Temperaturen.

Als ich nach etwa einer Stunde wieder aufwachte, fühlte ich mich wie ausgewechselt. Stark – körperlich und mental. Ich war mir sicher, dass ich den Gipfel jetzt schaffen würde.

Rote Markierungspunkte auf der Kletterpassage auf den Kleinen Buchstein

Rote Markierungspunkte auf der Kletterpassage auf den Kleinen Buchstein

Also noch einmal hinauf bzw. hinüber zum Klettereinstieg. Die Sonne erreichte die Felsen auf der Nordseite zwar immer noch nicht, die Wärme hatte aber mittlerweile dafür gesorgt, dass die Felsen aufgetrocknet waren.

Hände in die Felsen, fest zupacken. Sicheren Tritt suchen, aufziehen. Und noch einmal und noch einmal. Kurz blitzte der Gedanke auf, dass ich da auch wieder hinab muss. Beängstigende Gedanken verdrängen, langsam hantle ich mich aufwärts bis ich wieder steinig-schottriges Gehgelände erreiche. Ein Blick hinab – schwerer Fehler. Auffi muas i.

Gipfelkreuz am Kleinen Buchstein

Gipfelkreuz am Kleinen Buchstein

Weiter oben eine weitere Kletterpassage. Entweder war sie einfacher oder ich an die Schwierigkeiten bereits gewöhnt. Für mein Gefühl fast zu schnell stand ich dann oben beim Gipfelkreuz obwohl mir der Blick auf die Uhr zeigte, dass ich für die paar Höhenmeter ganz schön lang gebraucht habe.

Den Übergang zu dem noch etwas höheren, ausgesetzten Felsturm  im Westen erspare ich mir aber.

Naja, ein bisschen zittrig sind sie schon noch die Beine. Nicht zuletzt, weil ich jetzt ja auch wieder hinunter musste.

Jetzt wusste ich aber, dass ich dem Gelände von den Schwierigkeiten her gewachsen war. Ein Abstieg über II-er-Stellen ist aber noch einmal eine Stufe schwieriger, als der Aufstieg. Und so hantelte ich mich wirklich extrem langsam und konzentriert die nun aber bereits bekannte Route wieder abwärts.

Eigentlich empfand ich jetzt das steinbedeckte, schottrige Gehgelände unangenehmer als die Felspassagen, auch wenn ich bei der einen oder anderen unübersichtlichen, senkrechten Felsstelle gleich mehrere Anläufe benötigte, bis meine Füße sicheren Stand hatten.

Überhaupt hatte ich mir vorgenommen, meine Beine ein bisschen wachsen zu lassen, denn mit so kurzen Haxen kommst ja wirklich nicht ordentlich weiter 🙂 . Großgewachsene Bergsteiger haben hier auf jeden Fall Vorteile.

In der nachfolgenden Bilder-Gallerie findet Ihr noch einige Impressionen – zwar nicht von berauschender Qualität, da mit meiner „Leichtgewichts-Digitalkamera“ geknippst, aber besser als nichts.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

 


Artikelserie: Meine 10 schwierigsten Bergwanderungen

 

 

 

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